Historie

In der Historie des Sengwarder Marktes (früher "Sengwarder Pferdemarkt") werden die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung (zum Dorffest) beschrieben.
Zusätzlich werden weitere spannende Geschichten über unseren Markt erzählt.

Entstehung

Die Herrlichkeit zu Inn- und Kniphausen, zu deren Hauptorten Sengwarden zählte, gehörte seit 1592 zur Grafschaft Oldenburg. Seit 1603 war Reichsgraf Anton Günther Landesherr. Er war ein Liebhaber schöner Pferde und trieb die Pferdezucht voran. Schließlich waren Pferde zu dieser Zeit Hauptverkehrsmittel und Arbeitskraft in der Landwirtschaft, im Gewerbe und beim Militär. So wurde in dieser Zeit aus kräftigen Zug- und Arbeitspferden der „Oldenburger“ entwickelt, ein kräftiges und schönes Kutschpferd. Anton Günther hatte ein Problem. Inn- und Kniphausen war bei Ellens durch den Jadebusen von seinem bis Varel reichenden übrigen Landesgebiet getrennt. Da er mit dem Nachbarn Jever wegen der Herrlichkeit im Streit lag, konnte er diesen Landesteil eigentlich nur per Schiff erreichen. Erst 1615 wurde dieses Problem durch den nach 18-jähriger Bauzeit fertig gestellten Ellenser Damm gelöst. Nun konnte auch der Pferdehandel mit seinem nördlichsten Landesteil endlich forciert werden. Aus diesem Grund erhielt Sengwarden im Interesse und auf Erlass des Oldenburger Grafen einen Pferdemarkt, aber eben erst 1618. Der erste auf Grund dieses Erlasses durchgeführte Sengwarder Pferdemarkt fand am 16. September 1618 statt.

Dreißigjähriger Krieg

1618 begann auch der Dreißigjährige Krieg. Durch diplomatisches Geschick gelang es dem Grafen, das Kampfgeschehen von seinen Landesteilen fernzuhalten. Eine Legende besagt, dass er dem Feldherrn der katholischen Liga, Graf von Tilly, wertvolle Pferde (vielleicht auch auf dem Sengwarder Pferdemarkt erworben) schenkte. Dadurch erreichte er, dass die schon bei Wardenburg liegende Armee wieder abzog. Ob Legende oder Tatsache, auf jeden Fall wurde das Oldenburger Land als einer der wenigen Landstriche im deutschen Reich nicht vom Dreißigjährigen Krieg heimgesucht.

Entwicklung und Umbruch

Über die Jahre war der Sengwarder Pferdemarkt ein wichtiger, weit über seine Grenzen hinaus bekannter, Handelsplatz. Einkaufskommissionen aus dem ganzen Reich, aber auch aus Frankreich, Belgien, Niederlanden, Dänemark, ja sogar aus der Schweiz kamen nach Sengwarden. Dass er jedes Jahr immer wieder an einem, von den Oldenburgern festgelegten, wiederkehrenden Termin stattfand, hatte übrigens eine einfache Ursache. Der große zentrale Pferdemarkt fand in Oldenburg statt. Damit sich die dortigen Händler mit Pferden versorgen konnten, mussten die in den Landesteilen abgehaltenen Pferdemärkte kurz vor dem Oldenburger Markt stattfinden. Nicht selten wurden über 1000 Pferde in Sengwarden aufgetrieben. Aus einer statistischen Beschreibung des Großherzogtums Oldenburg von 1863 geht hervor, dass 1859 beim Herbstmarkt in Sengwarden 936 Pferde aufgetrieben wurden und es zu 270 Verkäufen kam.

Industrialisierung

Aber zu diesem Zeitpunkt war das Ende der Pferdemärkte bereits eingeläutet. 1769 hatte James Watt die Dampfmaschine erfunden und im 19. Jahrhundert erreichte diese Technik auch die Landwirtschaft. So genannte Lokomobile, später Dampftraktoren, fingen an, das Pferd zu verdrängen. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors ging es dann ab Ende des 19. Jahrhunderts immer schneller. Als sich dann nach dem 2. Weltkrieg durch den Bau kleiner günstiger Trecker auch kleine Höfe diese Technik leisten konnten, wurde das Pferd als Arbeitstier nicht mehr gebraucht. So wurden mit Beginn der sechziger Jahre gar keine Pferde mehr in Sengwarden aufgetrieben. Es blieb der Krammarkt. 

Neuer Schwung

Nach der Gebietsreform 1972 wurde dem Sengwarder Markt dann wieder neues Leben eingehaucht. Der Wilhelmshavener Stadtdirektor Dr. Gerhard Eikmeier initiierte zusammen mit den Sengwarder Verantwortlichen die Wiederbelebung. Mit Frühschoppen, Krammarkt, Preisschießen, Laternenumzug und vielen weiteren Aktivitäten hatte der Markt noch einmal eine Blütezeit. Als dann aber Ende der achtziger Jahre das „Landeswappen“ zu Wohnungen umgebaut und unser Festplatz zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde, war es mit dem Krammarkt vorbei. Nun lebte der Markt nur noch vom Frühschoppen und den vielen privaten Initiativen, die Ortsbürgermeister Ehnste Lauts und Verwaltungsstellenleiter Wilbur Ludwig zusammen mit der „Marktkommission“ auf den Weg brachten.

Vielen Dank an
Karl Reese (1919 – 2007; seines Zeichens unermüdlicher Chronist unseres Dorfes), Hans Möhlenhoff (1920 – 1997; langjähriger Gemeindedirektor unserer ehemaligen Gemeinde), Heinz Ross (langjähriger Gemeinderat, Kirchenrat und Heimatvereinsvorstand), Fritz Tiarks (1929 - 2015; Sammler alter Fofografien), Wilbur Ludwig (1947 - 2024; ehemaliger Verwaltungsstellenleiter) und Marktleiter Günter Hoffmann für die informative Zusammenstellung der Historie.